Archäologische und baukundliche Untersuchungen zur Baugeschichte der Lorscher Basilika,
(Prof. Dr. Ingolf Ericsson; verantwortlicher Projektleiter: Dr. Markus Sanke M.A.; Universität Bamberg;)
Die Interpretation der Bauabfolge des Lorscher Klosterbasilika beruht nach wie vor auf den Hypothesen,
die Friedrich Behn 1934 im Anschluss an seine Ausgrabungen formulierte. Bei genauerer Betrachtung des letzten aufrecht
stehenden Restes der Kirche, dem sogenannten „romanischen Kirchenrest“, entstehen an der Behnschen Theorie erhebliche
Zweifel. Diese werden gestützt durch die Analyse der erst vor kurzem wieder aufgetauchten Originaldokumentation der
Ausgrabungen an der Kirche.
Während die Hypothese eines zum Gründungsbau gehörenden, zweitürmigen Westwerks mit guten Argumenten am Bau zu widerlegen
sein dürfte, könnte im aufgehenden Bauwerk – ebenfalls gegen Behn – in ganz erheblichem Maße karolingerzeitliche
Mauersubstanz erhalten sein.
Aus den Grabungsunterlagen geht hervor, dass die Baugeschichte sowohl des Westabschlusses als auch des
Kirchenschiffes erheblich vielschichtiger zu rekonstruieren ist, als angenommen. Möglicher Weise lässt sich
die von Behn angenommene Bauabfolge sogar chronologisch umkehren. Die publizierten Informationen reichen jedoch
zur Begründung einer neuen Theorie auch unter Hinzuziehung der neuen Dokumente nicht aus, eine Überprüfung am
Befund ist zwingend erforderlich.
Im Rahmen eines befristeten, archäologisch-baukundlichen Forschungsprojektes soll der Frage nach der Bauentwicklung
des westlichen Kirchenteils mit modernen Methoden nachgegangen werden. Im Mittelpunkt des Vorhabens steht ein bislang
unpubliziertes Bauaufmaß, das am Befund überprüft und detailliert in Hinblick auf unterschiedliche Bauvorgänge und -phasen
ausgewertet wird. Die Baubefunde sind ohne zusätzliche archäologische Informationen in ihrer zeitlichen Erstreckung meist
nicht eindeutig zu interpretieren, daher wird zusätzlich an zwei begrenzten, bereits alt untersuchten Schlüsselstellen am
Bau das Verfüllungsmaterial der Altgrabungen entfernt, um in direkter Anschauung der Fundamentsubstanz und Bodenprofile
die Hypothesen zu prüfen und mit den Ergebnissen am aufgehenden Bauwerk zu korrelieren.
Die vor Ort erhobenen Daten werden in der Auswertung mit den publizierten und unpublizierten Informationen aus
den großflächigen Ausgrabungen an der Klosterkirche 1927-1934 sowie mit weiteren Schrift- und Bildzeugnissen zur
Klostergeschichte zusammen geführt. Angestrebt ist eine vollständige historisch-archäologische Baudokumentation.
Wir gehen davon aus, dass durch das beantragte Forschungsprojekt nicht nur die Baugeschichte des westlichen Kirchenteils
eindeutig geklärt werden kann, sondern dass die zu gewinnenden Erkenntnisse neues Licht auf die Entwicklung der gesamten
Lorscher Kirchenanlage werfen können. Falls sich durch die beantragten Maßnahmen unsere Hypothese einer in die Frühzeit
des monastischen Lebens in Lorsch zurückreichenden Bausubstanz am Kirchenrest nicht falsifizieren lässt, wäre zugleich
ein bislang unbekannter karolingisch-ottonischer Großbau zurück gewonnen.