Untersuchung zur Entstehung des
frühlatènezeitlichen Glaubergs: Landschaftsarchäologie
in der östlichen Wetterau, Hessen (Prof. Dr. C.F.E. Pare,
Universität Mainz)
Am östlichen Rand der Wetterau entstand im Bereich
des Glaubergs am Übergang von der Späthallstatt- zur
Frühlatènezeit ein zentraler Ort von außerordentlicher
Bedeutung; dies führen nicht zuletzt die spektakulären
Grabfunde vor Augen. Vergleichbar mit den Fürstensitzen Heuneburg
und Mont Lassois bildet die eigentliche Höhensiedlung auf dem
Glauberg vermutlich nur einen Bestandteil einer komplexen
Besiedlungsstruktur mit Kultanlagen und Außensiedlungen.
Ziel des Mainzer Forschungsprojekts ist es, Ausdehnung und Funktion der
Außenbereiche genauer zu fassen und zu bestimmen. Bei den
geplanten Arbeiten werden Feldforschungen außerhalb des Ringwalls
die Hauptrolle spielen.
Darüber hinaus soll die eisenzeitliche Umgebung des Glaubergs in
einem Umkreis von ca. 7,5 km erforscht werden. Neben der genauen
Vermessung und Kartierung von bekannten Fundstellen (vor allem
Grabhügelfeldern und Siedlungen) soll in erster Linie durch
Prospektionen, Sondagen und Ausgrabungen die eisenzeitliche
Siedlungsstruktur um den Glauberg untersucht werden.
Ziel des Projekts ist es also, die Frage zu beantworten, ob der
Glauberg wie andere „Fürstensitze“ von einem dichten Netz von
Siedlungen umgeben war. Darüber hinaus sollen durch gezielte
Ausgrabungen die Funktion und Datierung der bekannten und neu entdeckten
Siedlungen erforscht werden. Unter den bevorstehenden Aufgaben sind
folgende hervorzuheben:
1) Entzerrung und Kartierung von Luftbildern
2) Auswertung und Kartierung der geophysikalischen Ergebnisse
3) Systematische Feldbegehung über einen Zeitraum von etwa 5
Jahren
4) Klassifikation der Funde (Entwicklung eines Merkmalsystems) und
Erstellung einer Datenbank für Keramik, Silex usw.
5) Bodenkundliche und geomorphologische Untersuchungen (in
Zusammenarbeit mit dem Institut für Geowissenschaften der Johannes
Gutenberg-Universität, Mainz)
6) Erstellung eines Geoinformations-Systems
7) Sondagen und großflächige Ausgrabungen.
Ferner wird im Gebiet östlich des Glaubergs mit zahlreichen
„Pingen“ (siehe Luftbild links) sehr wahrscheinlich Schürfungen
für Eisenerz, eine kleine Ausgrabung durchgeführt, um
Anhaltspunkte zur Datierung zu erhalten.