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Lahntal

Frühe Metallgewinnung im Mittleren Lahntal, (Andreas Schäfer M. Phil., Universität Marburg)

Als Pilotprojekt zu einem weiter gefassten Forschungsansatz zum frühen Eisen in der nördlichen Mittelgebirgszone ist es Ziel der Untersuchungen, das Potential einer Altsiedellandschaft wie es das Mittlere Lahntal (südlicher Lahn-Dill-Kreis) ist, hinsichtlich früher Eisenproduktion auszuloten und die Prozesskette an ausgewählten Fundstellen exemplarisch zu erforschen. Im Vergleich zu einer „reinen“ Rohstoffregion wie dem Siegerland, ohne größere landwirtschaftliche Nutzflächen und verkehrsgeographisch relevante Kommunikationsachsen ergeben sich in Bezug auf die Organisation und Struktur der Eisengewinnung besonders lohnende Vergleichsmöglichkeiten.

Die bisher durchgeführten Prospektionen zwischen Braunfels und dem Oppidum auf dem Dünsberg erbrachten eine ungeahnte Fülle montanhistorischer Zeugnisse aus unterschiedlichen Epochen und unterschiedlichen Stadien der Metallurgiekette.

Einer Detailprospektion relevanter Fundstellen und Kleinräume war zunächst ein raumgreifender lagerstättenorientierter Survey vorgeschaltet, der die Montanregion im Überblick erfasste. Großflächige geomagnetische Prospektionen (PZP, Marburg) erschlossen im Anschluss die Grundstrukturen und die Ausdehnung relevanter Fundstellen, deren Kenntnis durch Bohrprogramme und Sondagegrabungen vertieft wurde (Abb. 1). Archäometallurgische Begleituntersuchungen (Dr. G. Gassmann, Tübingen) an Schlacken, Erzen und Metallen ausgewählter Fundplätze gewähren Einblick in die vorhandenen und eingesetzten Rohstoffe sowie die angewandten Prozesstechnologien.

Archäobotanische (Dr. A. Kreuz, LfD) und bodenkundliche (K. Röttger, Lahn-Dill-Kreis) Untersuchungen erlauben umweltrelevante Rückschlüsse. Mittlerweile liegen von der Eisenzeit bis zum Mittelalter nahezu lückenlos Fundplätze der Eisenproduktion und -weiterverarbeitung vor. Dem Fundplatzensemble bei Wetzlar-Dalheim kommt dabei für die gesamte Region eine Schlüsselstellung zu.

Im Rahmen des Projekts konnten bisher Ausgrabungen an einem latènezeitlichen Weiterverarbeitungsplatz (Lahnau-Atzbach 2000, vgl. Abb. 2) und einem mehrperiodigen Verhüttungs- und Weiterverarbeitungsplatz (Wetzlar-Dalheim 2002) durchgeführt werden. Das umfangreiche archäometallurgische Untersuchungsprogramm schloss auch Fundmaterial „älterer“ Ausgrabungen eines latènezeitlichen Verhüttungsplatzes (Wetzlar-Dutenhofen 1987, LfD Hessen), kaiserzeitlicher Produktionsplätze (Wetzlar-Naunheim 1995-1997; Wetzlar-Dalheim 1999, RGK) sowie einer hochmittelalterlichen Verhüttungsstelle (Wetzlar-Blasbach 1996, LDK-Kreisdenkmalpflege) mit ein. Damit lässt sich die Prozesstechnologie in ihrer Entwicklung erstmals in den Grundzügen beschreiben und nachzeichnen.

Das Projekt begann 1999 am Vorgeschichtlichen Seminar der Philipps-Universität Marburg und wird seit 2000 jährlich von der KAL gefördert.
Kooperationspartner:
Deutsches Bergbau-Museum Bochum
ARGUS Archäologisch-geowiss. Untersuchungen, Tübingen
Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR, Marburg (PZP)
Römisch-Germanische Kommission Frankfurt (RGK)
Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfD)
Lahn-Dill-Kreis
Stadt Wetzlar


    Friedberg     Glauberg     Bad Nauheim 1     Bad Nauheim 2     Hess. Ried  
    Waldgirmes     Idstein     nordwestl. Hessen     Lorsch     Marb. "Hinterland"   Lahntal
Oppidum Milseburg bei Hofbieber-Danzwiesen, Landkreis Fulda
Runkel-Ennerich, Kr. Limburg-Weilburg. Siedlungsplatz der jüngeren Latènezeit und Römischen Kaiserzeit (1988)
Willingshausen-Leimbach, Untersuchung 1996, Befunddetail
Altenburg bei Niedenstein, Schwalm-Eder-Kreis